Haben Sie sich schon mal gefragt, warum der Strompreis steigt und warum hat der Gaspreis Auswirkungen auf den Strompreis? Welcher Strompreis ist in der Zukunft zu erwarten?
Bevor ich auf die oben genannten Fragen eingehe, dazu ein Statement eines Windparkbetreibers: Unser Windpark wird künstlich gedrosselt und dürfte nur einen Bruchteil an Strom liefern. Nicht etwa, weil zu wenig Wind weht oder weil die Maschine defekt ist. Nein! Weil an der Börse gezockt wird. Es ist ein Einblick in den Wahnsinn deutscher Energiepolitik, an dem jedes einzelne Detail gelogen und das zum Schaden des Volkes und der deutschen Wirtschaft ist.
Wir als Windkraftbetreiber werden vom Gesetzgeber an die Börse gezwungen und bekommen rund 46 Cent für die Produktion an der Börse. Der Windpark könnte pro Stunde rund 8.000 kW/h Strom produzieren, würde der Windpark nicht künstlich abgeriegelt. Abgeriegelt, weil an der Börse wieder spekuliert wird. Das mag im ersten Moment nicht stören, weil der Windparkbetreiber nämlich den abgeriegelten Strom vollständig vergütet bekommt. Denn der Kunde zahlt ja. Und dem Kunden wird erzählt, dass der Strom knapp sei und er sparen müsse. In Wahrheit zahlt der Kunde für den abgeschalteten und verknappenden Strom. So funktioniert die deutsche Energiepolitik.
Unmengen an Kilowattstunden sind schon von Windparks nicht produziert worden und es wird einem gesagt, man müsse AKWs einschalten, Kohle wieder verbrennen, Gas in die Kraftwerke pumpen um Strom zu erzeugen, weil der Strom knapp ist.
Um es kurz zu sagen, die Kunden werden verarscht. Und man darf keinen bezahlbaren Strom an die Kunden liefern, weil die Großen das Geschäft machen, für sich und nicht für die Allgemeinheit. Und die Politik spielt weiter mit, denn schließlich bestimmen Lobbyisten die politische Richtung und die Regierung wird dafür sorgen, dass alles legal ist.
Warum hat der Gaspreis Auswirkung auf den Strompreis?
Durch die steigenden Gaspreise steigt auch der Strompreis. Aber warum reißt das Gas auch den Strompreis mit nach oben? Seit Mitte des Jahres 2021 kennt der Strompreis nur eine Richtung: und die geht nach oben. Dabei stammen fast drei Viertel des Stromes von Anbietern, deren Erzeugerpreise nicht gestiegen sind. Trotzdem zahlen Privatkunden oft doppelt so viel und Industriefirmen fast das Zehnfache. Die Preisexplosion erscheint auf den ersten Blick nicht plausibel. 40 Prozent des Stromes in Deutschland stammte im Jahr 2021 aus erneuerbaren Energien, 19 Prozent aus Braunkohle und gute 12 Prozent aus Atomkraft. Die Konzerne, die den Strom produzieren, tun dies auch weiterhin zu unveränderten Preisen. Lediglich das Gas wurde sehr teurer. Das hängt mit dem Preis an der Strombörse, dem sogenannten „Spotmarkt“, gehandelten Strom und direkt am Gaspreis zusammen. Warum ist das so?
Der Strom ist eine Ware und wurde bis 1998 am Strommarkt in Deutschland strikt reguliert. Regionale Unternehmen erzeugen und verteilen den Strom, den die Stadtwerke dann den Kunden in Rechnung stellen. Dann öffnete Deutschland, auf Druck der EU, den Markt und seitdem gibt es Erzeuger, Händler, Netzbetreiber, Großkunden und Privatkunden. Strom ist zu einer Ware geworden und somit ist der Preis und die Mengen verhandelbar.
Großkunden, also Industrieunternehmen oder Stadtwerke kaufen die Hälfte des Stromes über spezialisierte „Broker“ zu Deutsch Makler oder Agent, direkt bei dem Erzeuger ein. Das Mengenvolumen, Preis und Vertragslaufzeit bleiben dabei Vertraulich. Die andere Hälfte wird an der Strombörse gehandelt. Bei der Strombörse sind die Vertragskonditionen öffentlich einsehbar.
Eine Strombörse ist z.B. die European Energy Exchange AG, kurz EEX.
Die EEX wickelt in Europa den größten Teil des Börsenhandels ab. Ein großer Teil der Stromkontingente wird als sogenannte „Futures“ gehandelt, also größere Pakete für die Zukunft, die bis zu 6 Jahren im Voraus gekauft oder verkauft werden. Die Stromkunden an dieser Börse, Industriefirmen, Stadtwerke oder Stromhändler, decken sich gerne damit ein, weil sie ihre Kosten auf die Jahre hinaus planen können. Natürlich wissen sie nicht, wie viel Strom sich im Jahr 2023 oder 2025 verbrauchen werden. Also kaufen sie einen Teil am Spotmarkt zu.
Das EEX Tochterunternehmen EPEX SPOT wickelt die kurzfristigen Verträge ab. Dabei geht es um Strom für den nächsten Tag, den s.g. Day-Ahead-Markt oder für den gleichen Tag bis zu 5 Minuten vor Lieferung. Am Day-Ahead-Markt geben die Anbieter an, wie viel Strom sie für welchen Preis am Folgetag zur Verfügung stellen können. Die günstigen erhalten den Zuschlag zuerst, bis die Nachfrage gedeckt ist. Die teuersten Anbieter müssen damit rechnen, dass ihr Angebot nicht angenommen wird.
Und nun kommt der Haken an der ganzen Sache. Der teuerste Anbieter, der gerade noch berücksichtigt wird, bestimmt den Börsenpreis, zu dem alle Geschäfte abgewickelt werden, der sogenannte Markträumungspreis. Dieses Verfahren wird als Merit-Order-Prinzip beschrieben.
Das bedeutet, dass das letzte Kraftwerk, in dem Fall Gas, das noch gebraucht wird, um den Strombedarf zu decken, bestimmt den Strompreis, den alle Anbieter pro Megawattstunde erhalten. Weil auch immer mehr Gaswerke gebraucht werden, um den Strombedarf in Deutschland zu decken, ist der Strompreis wegen des gestiegenen Gaspreises rasant gestiegen.
Das hat nur so lange funktioniert, wie alle Stromerzeuger ihre „Ware“ zu ähnlichen Preisen anboten. Doch dann schnellte der Gaspreis nach oben. Weil aber auch Gaswerke benötigt wurden, um die Nachfrage am Spotmarkt befriedigen zu können, bestimmten Sie den Strompreis. Und so stieg der Börsenpreis für Strom am Day-Ahead-Markt plötzlich im gleichen Schritt, wie der Gaspreis. Das brachte vor allen Energiediscounter in Schwierigkeiten, die Strom über kurzfristige Verträge am Spotmarkt günstig einkauften, aber ihre Kunden mit langfristiger Preisbindung lockten. Einige Energiediscounter mussten Ihre Geschäfte aufgeben und ihre Kunden wurden von den örtlichen Stadtwerken aufgefangen. Die mussten dann als Neukunden zu den Großhandelspreisen versorgt werden und so zahlte der Neukunde zu seinem Entsetzen bis zu 90 Cent pro Kilowattstunde.
Prognose des Strompreises
Es ist bereits absehbar, dass das Auswirkungen auf alle Stromverträge haben wird und auch der Durchschnittsbürger in Deutschland sehr viel höhere Preise bezahlen wird. Die Futures an der EEX für 2023 werden jetzt bereits mit mehr als 60 Cent pro Kilowattstunde gehandelt.
Nicht alle Stromanbieter profitieren vom Preisschub. Betreiber von Atom-/ oder Kohlekraftwerke können ihre Kapazität gut planen und haben schon Jahre im Voraus ihren Strom verkauft. Dies ist gut für die Kunden und deren Verträge sind nicht vom Preisanstieg betroffen (noch nicht). Was die erneuerbaren Energien betrifft, kann niemand sagen, wie der Wind 2023 weht oder wie viel Sonnenstunden 2025 wir in Deutschland haben werden. Und somit werden Strom aus Wind und Solaranlagen hauptsächlich über den kurzfristigen Spotmarkt gehandelt. Die Anbieter verdienen dadurch plötzlich sehr viel Geld. Der Marktwert für Strom lag 2020 bei 3 Cent und ist Mitte 2022 auf 27,8 Cent gestiegen.
„Windfall Profits“, zu Deutsch Marktlagengewinne, nennt man solch ein Geldsegen, der ohne eigenes Zutun erreicht wird. Kein Wunder, das die Preisbildung an der Strombörse in die Kritik geraten ist.
Was also tun?
Die meisten Experten, darunter auch die Politik, wollen am Merit-Order-Prinzip festhalten, weil die preiswerten Anbieter damit Deckungsbeiträge machen und ihre Investitionen refinanzieren können. Oder einfacher ausgedrückt, wer für geringe Kosten produziert, verdient am meisten Geld. Auf Dauer sollen so immer mehr preiswerte Anbieter am Markt auftauchen, so dass auch das preisbestimmende höchste Gebot immer niedriger ausfällt.
Eine andere Möglichkeit die Strompreise zu senken bzw. kostenlos zu machen, welche zudem noch umweltfreundlich und für jeden Menschen auf dem Planeten zur Verfügung stünde, ist die „Freie Energie“. Was genau die Freie Energie ist und warum Sie von einigen Institutionen zurückgehalten wird, dazu habe ich bereits einige Zeilen geschrieben, welche ich Ihnen hier verlinke.
