Eine Solaranlage zu installieren, wenn man Handwerklich ein wenig geschickt ist, ist relativ einfach. Lediglich beim Stromanschluss in der Verteilung sollte diese Tätigkeit von einem Fachmann durchgeführt werden. Ebenso die Anmeldung und die technische Abnahme der Solaranlage beim örtlichen Stromversorger müssen erfolgen. Wie man Praxisnahe eine Solaranlage installiert, werde ich ausführlich mit zahlreichen Fotos beschreiben.
Erste Planung
- Die erste Überlegung sollte sein, wo eine Solaranlage installiert werden kann. Das kann auf dem Hausdach, Carport, Garagendach, Gartenhäuschen, Spielhaus oder sogar auf einer Freifläche im Garten sein. Zudem sollte die Dachausrichtung Richtung Süden zeigen, wo der Sonnenertrag am meisten vorhanden ist. Achten Sie bei der Planung darauf, dass die Sonneneinstrahlung auf die Solarmodule, möglichst nicht durch Bäume oder anderen Objekten verdeckt wird. Jeglicher Schattenwurf wirkt sich negativ auf die Gesamtleistung der Solaranlage aus. Planen Sie auch, wie die Stromleitung vom Wechselrichter, der in der Nähe der Solaranlage montiert ist, zur Stromverteilung im Haus verlegt wird.
Bei einem Privatkunden haben wir uns für das Gartenhäuschen entschieden. Das Dach hat eine SSW-Ausrichtung, die Sonneneinstrahlung wird durch keine Bäume oder durch andere Objekte beeinträchtigt. Die Dachneigung beträgt 30° und 10° Grad. Die Dachneigung ist zwar nicht optimal, da Schmutz auf den Modulen sich ansammeln kann, aber der gute Standort war für uns entscheidend. - Welchen Stromanschluss haben Sie? Drehstrom oder Wechselstrom? Die Antwort finden Sie auf Ihrem Stromzähler. Schauen Sie zudem, welchen Zähler sie haben. Ein Ferraris-Zähler kann in beide Richtungen drehen. Die Drehrichtung sollte mit einem Pfeil gekennzeichnet sein. Andere Zähler können nur in eine Richtung drehen. Wenn Sie Strom ins öffentliche Netz einspeisen möchten, brauchen Sie ggf. einen weiteren Stromzähler. Ziehen Sie dazu einen Fachmann heran. Er berät Sie und er meldet auch Ihre Solaranlage beim Netzbetreiber an.
- Wie viel Leistung sollte Ihre Solaranlage haben? Soll Diese ihren gesamten Strombedarf abdecken oder nur ergänzen? Wie Sie Ihre Solaranlage berechnen, habe ich Ihnen hier verlinkt. Eine Umfangreiche Berechnung muss nicht erfolgen, wenn die Leistung der Solaranlage niedriger ist, wie ihr gesamter Strombedarf. Unser Privatkunde möchte nur seinen Strombedarf ergänzen und ist nur für seinen eigenen Bedarf. Das Dach des Gartenhäuschens ist relativ klein mit 9m² und bietet Platz für 5 Solarmodule. Jedes Solarmodul hat eine Leistung von 400 Watt und somit ergibt sich eine Gesamtleistung von 2kW.
- Wie können wir die Module auf das Dach montieren? Eine wenig Internet-Recherche bleibt nicht aus. Schnell fanden wir in der Nähe einen Großhändler für Solartechnik und stellten unsere eigene Einkaufsliste zusammen, die u.a. aus den Solarmodulen, Wechselrichter, diverse Kabel, Sicherungsautomaten, Winkel zur Montage, Alu-Schienen und Zubehör bestand.
Montage der Solaranlage
Vom Gartenhäuschen bis zum Haus-Keller gruben wir einen schmalen Graben (optimal 60 cm tief). Anschließend muss ein kleines Loch vom Keller zum Graben hin gebohrt werden, welches später wieder versiegelt wird. Nun konnten wir die Stromleitung „Erdleitung NYY 5×2,5qmm“von der Stromverteilung im Keller, durch das Loch stecken und in den Graben zum Gartenhäuschen verlegen. Beim zuschütten des Grabens wird erst eine ca.25cm Schicht Erde aufgeschüttet und dann ein „Trassenband Strom“ entlang im Graben ausgerollt. Dies Symbolisiert, dass hier ein Starkstrom-Kabel verlegt ist. Anschließend wird der Graben mit der restlichen Erde zugeschüttet. Als nächstes kann der Wechselrichter an einem gut durch Witterungsverhältnisse geschützter Ort am/im Gartenhäuschen montiert werden. Außerdem ist zu beachten, dass der Montage-Ort so gewählt wird, das alle Leitungen von den Solarmodulen, im unseren Fall zehn Leitungen (je Modul 2 Leitung, Plus und Minus) zum Wechselrichter verlegt werden kann.

Die Montage des Wechselrichters erfolgt beim Kunden unterhalb des Daches vom Gartenhäuschen. Der Wechselrichter ist vor Nässe geschützt und die Kühlrippen können gut zirkulieren. Der Stromversorgung-Anschluss erfolgt in einer Wasserdichten Verteilerdose. Hier wird die Erdleitung aus dem Keller mit dem Wechselrichter verbunden.

Oben auf dem Dach haben wir die Winkel mit den Alu-Schienen montiert. Unter dem Winkel ist ein Streifen mit Bitumen versehen, der die Bohrlöcher versiegelt. Die Winkel und die Aluschienen hatten wir nicht Wahllos auf dem Dach montiert, sondern uns vorher ausgemessen, wie die Module auf dem Dach passen und dementsprechend die Winkel montiert.

Auf den Aluschienen werden dann die Solarmodule montiert. Die Module werden lediglich mit den Klammern festgehalten. In der Aluschienen-Nut ist eine Klippmutter, womit die Klammer mit der Schraube verbunden ist.

Bei zwei übereinander liegenden Modulen wird eine Flügelklammer montiert, die beide Module miteinander befestigt.

Unter dem Modul erfolgt der Anschluss. Rot für Plus und schwarz für Minus. Auf den Steckverbinder sollte ein Plus bzw. ein Minus versehen sein. Die Steckverbinder sind Wasser geschützt. Da die Anschlussleitung vom Modul nur 1 Meter lang ist und nicht bis zum Wechselrichter reicht, mussten wir die Leitung verlängern. Wir haben die Verlängerungs-Leitung von allen Modulen so verlegt, das diese als gesamtes Bündel (insg. 10 Leitungen) in einem Rohr, Kabelkanal oder mit Kabelbindern fixiert, zum Wechselrichter geführt werden. Die Leitungen sind paarweise beschriftet, damit wir diese am Wechselrichter richtig zuordnen können.

Die Leitungen sind erst mal nur mit Kabelbinder fixiert. Im Nachhinein haben wir diese Leitungen durch ein Rohr durchgezogen und zum Wechselrichter verlegt. Man kann erkennen, das zwei Module etwas flacher ausgerichtet sind, aufgrund der Bauweise des Gartenhäuschen.

Alle Module sind soweit auf dem Dach montiert. Die Leitungen sind zum Wechselrichter verlegt und angeschlossen.
Auf dem Dach sind die Arbeiten abgeschlossen.

In der Stromverteilung geht die Arbeit weiter. Platz 61 bis 64 ist ein Fehlerstromschutzschalter 25A verbaut.
61 = L1, 62 = L2, 63 = L3, 64 = N
Auf Platz 65 bis 68 ist eine 4 poliger Sicherungsautomat B16A installiert.
65 = L1, 66 = L2, 67 = L3, 68 = N
Oberhalb von 65 bis 68 wird die Erdleitung, die zum Wechselrichter führt angeschlossen. Platz 69 bis 71 ist Reserve und wird nicht benötigt. Auf Platz 72 befindet sich der „Shelly“. Der Shelly ist ein Unterstützungsmodul, hat 4 Anschlüsse und wird ebenfalls oberhalb von 65 bis 68 angeschlossen. Dieser überwacht die Ströme, die von der Solaranlage produziert werden. Platz 64, 68 und der „N“ (Neutralleiter) vom Shelly werden miteinander verbunden. Dies muss erfolgen, weil der Fehlerstromschutzschalter die gleichen Potentiale braucht, sonst würde dieser auslösen.

Hier der Schaltplan, wie das in der Stromverteilung angeschlossen wird.
Hinweis: Diese Arbeiten sollten von einem Fachmann durchgeführt werden, um Schäden von Leib und Leben abzuwenden.


Über die App, kann man dann die Leistung verfolgen, welche die Solaranlage produziert. Sie können erkennen, wie viel Strom jede einzelne Phase von der Solaranlage produziert wird. Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass dieser Ausschnitt bei schlechtem Wetter und in der Abenddämmerung gemacht wurde. Die Gesamtleistung der Solaranlage sollte dementsprechend höher ausfallen.
Kosten der Solaranlage und Fazit
Die Materialkosten schlugen mit 2.500€ zur buche. Versandkosten konnten wir sparen, da wir das Material vom Großhändler abgeholt haben. Der Privatkunde und ich haben alles selber in Eigenregie montiert und somit fallen auch keine Arbeitskosten an. Lediglich die Anmeldung beim örtlichen Stromversorger und die technische Abnahme müssen noch erfolgen. Im Großen und Ganzen hat sich der Aufwand gelohnt. Durch eine gute Planung, Recherche im Internet und durch Eigenleistung, sind die Kosten gering ausgefallen.
